Die Standards des Nachrichtenjournalismus - Journalistische Standards
Objektivität
In den westlichen Demokratien wird die Nachricht nach dem Standard der „objektiven Berichterstattung“ formuliert. Da Nachrichten von Individuen subjektiv aufgenommen und vermittelt werden, kann man sich dem Ziel „Objektivität“ nur nähern, es aber nie erreichen. Um ein hohes Mass an journalistischer Glaubwürdigkeit zu erzielen, bemühen sich die Redakteure um eine möglichst unparteiische und faktenorientierte Darstellung des Ereignisses. Eine gezielte Wertung durch den Journalisten hat in der Nachricht nichts zu suchen. Seine Meinung ist im Kommentar gefragt.
Nachprüfbarkeit
Nachrichten können in letzter Konsequenz die Wahrheit nicht abbilden. Von Journalisten wird aber ein Maximum an Genauigkeit, von der Beschreibung des Ereignisablaufes bis zur exakten Nennung von Namen, Daten und Terminen erwartet. Wesentlich ist auch die Transparenz der Nachrichtengebung. Das heisst, der Leser muss die Pro- und Contra-Argumente zu einem Ereignis oder einem Sachverhalt aus dem Artikel entnehmen können.
Quellenangabe
Wenn der Journalist nicht aus eigener Anschauung berichten kann, muss er seine Quellen im Text nennen. Auch wenn die Informationsquelle noch so seriös erscheint, ist er nicht von der Pflicht entbunden, die Informationen durch Gegenrecherche auf ihre Exaktheit zu überprüfen, oder, wenn dies nicht möglich ist, die Quelle exakt zu nennen. Hat er Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Informationen oder an der Informationsquelle, muss er entweder auf die Daten verzichten oder in seinem Artikel die Fakten für die Zweifel darlegen.
Vom Wesen der Nachricht
Als Nachrichten werden erst einmal alle Mitteilungen verstanden, die für die Öffentlichkeit von Interesse sind, sich also von dem 'Normalen' unterscheiden (nach Weischenberg, 1988). Bei dieser Definition stellen sich u.a. folgende Fragen: Wer ist die Öffentlichkeit und welche Interessen hat diese? Die „taz“ hat eine andere Leserstruktur und andere Bewertungskriterien als die „Welt“ oder die Lokalredaktion einer regionalen Tageszeitung. Deshalb nur einige unvollständige Anmerkungen dazu: Wichtig für das Aufgreifen von Nachrichten, ihre journalistische Umsetzung und die Platzierung auf der Zeitungsseite sind
- die gesamtgesellschaftliche Bedeutung (Ausmaß und Konsequenz des Ereignisses) und/oder
- das (vermutete) Leseinteresse
Anhaltspunkte für das Leserinteresse sind unter anderem:
- Lesestrukturdaten
- regionale, psychologische Nähe
- Aktualität
- Prominenz
Nachrichtenaufbau
„Zu Beginn des Schulfestes begrüßte der Rektor alle Anwesenden recht herzlich.“ Bekanntlich ist aller Anfang schwer, doch dieser immer wieder gern benutzte, belanglose Einstieg in einen Artikel interessiert noch nicht einmal diejenigen, die begrüßt wurden. Nur in sehr seltenen Fällen ist der chronologische Aufbau eines Artikels sinnvoll. Meistens ruft er bei den Lesern gähnende Langeweile hervor. Im Gegensatz zum Schüleraufsatz, bei dem der Lehrer als Adressat - ob er will oder nicht - feststeht, muss der Journalist versuchen, den Leser auf seinen Artikel aufmerksam zu machen. In der Regel geschieht dies, wenn das Außergewöhnliche, das Bemerkenswerte, das Aktuelle am Anfang steht. Die wichtigsten Fakten, der Höhepunkt des Geschehens oder das aussagekräftigste Zitat soll das Interesse des Lesers wecken, ihn betroffen machen und dazu animieren, weiterzulesen.
Die journalistischen Darstellungsformen Nachricht und Bericht sind nicht chronologisch, sondern nach inhaltlichen Kriterien in Form einer Pyramide aufgebaut. In der Spitze stehen die interessantesten Informationen mit dem höchsten Neuigkeits- und/oder Aufmerksamkeitswert. Im mittleren Teil folgen die erläuternden Details, und den Schluss bilden die weniger bedeutenden Fakten. Dieser formale Aufbau - den alle Nachrichtenagenturen anwenden - zwingt den Schreiber zu einer logischen Ordnung der Informationen und erleichtert dem Leser das Verständnis des Textes. Der (Spitzen-)Einstieg kann auch die Quintessenz des ganzen Artikels sein und in wenigen Sätzen die Nachricht oder den Bericht zusammenfassen. Journalisten nennen diese Form den Nachrichten-Vorspann.
Die sieben W-Fragen
Ob es nun der maximal fünf Sätze umfassende Vorspann der Nachricht ist oder die ggf. etwas längere Einleitung eines Berichtes, beiden gemeinsam ist, dass möglichst viele der sieben W-Fragen beantwortet sein sollten. Die sieben W-Fragen sind:
1. Wer?
2. Was?
3. Wann?
4. Wo?
5. Wie?
6. Warum?
7. Welche Quelle?
Beispiel
Prinzessin Stephanie (wer) hat am Donnerstag um 22.10 Uhr (wann) einen gesunden Jungen (was) im zentralen Krankenhaus von Monaco (wo) zur Welt gebracht. Er soll Louis heißen, teilte die Pressestelle des Fürstenhauses mit (welche Quelle). Ihr Vater (wer) gab die komplikationslose (wie) Geburt (was) nicht persönlich bekannt, da er die Beziehung zwischen Stephanie und ihrem Leibwächter, Daniel Ducruet, nicht billigt (warum).
Verständlich schreiben
Da der „normale“ Leser seiner regionalen Tageszeitung im Durchschnitt nur 35 Minuten Beachtung schenkt, müssen die Artikel so verständlich wie möglich geschrieben sein. Dies geschieht zum einen, wie oben erwähnt, durch eine logische Gliederung des Textes, andererseits durch einen klaren, einfachen Satzbau und eine möglichst präzise Sprache. Mit Fakten überladene, endlos verschachtelte Bandwurm-Sätze verursachen Unwohlsein. Das andere Extrem, nämlich viele aneinandergereihte Minimalsätze - Subjekt, Prädikat, Objekt - verbreitet Verstimmung. Wie so häufig kommt es auf die gesunde Mischung an:
Satzbau und Textgliederung
- Satzlänge
Die Satzlänge soll in der Regel 20 Wörter nicht überschreiten. - Satzvariationen
Die Satzlängen sollen unterschiedlich sein. Mehrere kurze Sätze - Hauptsätze - können die Spannung erhöhen, wirken aber als durchgängiges Stilelement (Boulevardstil) unglaubwürdig und ermüdend. - Satztransparenz
Der Satz darf nicht mit Fakten überfrachtet sein. Es soll übersichtlich in der Folge der Wörter und Gedanken sein. In der Regel steht die Hauptsache im Hauptsatz und die Nebensache im Nebensatz. - Satzverknüpfungen
In der kurzen Nachricht lässt es sich gelegentlich nicht vermeiden, dass Sätze isoliert, ohne eine innere Verknüpfung, nebeneinander stehen. Im Bericht, zwingend in der Reportage, müssen im gesamten Text Sätze und Inhalte miteinander in Beziehung gesetzt werden. - Aktivsätze
Wenn Passivsätze ins Aktive übersetzt werden können, erhöht das die Lebendigkeit des Textes. - Absätze
Die Textgliederung durch Absätze und Zwischenüberschriften erleichtert das Verstehen des Textes.
Die Sprache in Zeitungsartikeln unterscheidet sich zwangsläufig je nach gewählter journalistischer Stilform und der anzusprechenden Zielgruppe. Darüber hinaus hat jeder Journalist auch seinen persönlichen Schreibstil und Wortschatz. Das macht Zeitungen so vielfältig, lebendig und spannend.
Als Fundament sollten im Nachrichtenjournalismus aber immer folgende fünf Kriterien der Nachrichtensprache berücksichtigt werden:
- Direktheit
- Kürze
- Prägnanz
- Einfachheit
- Klarheit
- Sprache
Zu vermeiden:
- sind „schiefe“ Bilder, Beispiel: „Das haut dem Fass die Krone aus.“
- ist die Amtssprache, Beispiel: „Nach der Anhörung erging die Anfrage an die Funktionsträger.“
- ist die Expertensprache, Beispiel: „Der methodische und didaktische Aufbau des Unterrichts spiegelte die soziale Relevanz des Themas wider.“
- sind phrasenhafte Ausdrücke, Beispiel: „die weisse Pracht, breite Öffentlichkeit.“
- sind Abkürzungen. Sie müssen zumindest einmal im Text erklärt werden, Beispiel: SV (Schülervertretung), RP (Regierungspräsident).
Interesse wecken
Zum Zeitungsartikel gehört auch die Stimulanz. Sie macht den Bericht oder die Reportage lebendig und reizt zum Weiterlesen. Das wichtigste Stimulanzelement ist das Zitat in direkter Rede. Eine wichtige Information wird durch ein Zitat personalisiert und dadurch plastisch, manchmal sogar drastisch.
Ein komplizierter Sachverhalt lässt sich leichter anschaulich erklären, wenn der Schreiber sich zum einen auf einige wenige Kerninformationen beschränkt und/oder mit einem markanten Beispiel auf das Wesentliche hinführt. Weitere Stimulanzelemente, die vor allem in der Reportage genutzt werden, sind:
- der Ausruf
- direktes Ansprechen des Lesers
- Aufbau inhaltlicher Kontraste, z. B. früher-heute, Exotik-Normalität, Aktualität-Hintergrund
- Personalisieren, ein globales Ereignis an einer konkreten Person festmachen
- Einbetten der Information in eine spannende Geschichte
- szenische Einstiege, atmosphärische Beschreibungen, Detailbeschreibungen
- Wortspiele.
Die wichtigsten Formen journalistischer Berichterstattung
Journalismus ist nicht einfach Publizieren und nicht jeder, der mal einen Leserbrief schreibt oder eine eigene Homepage erstellt ist ein Journalist. Laut Koszyk und Pruys ist Journalismus die „hauptberufliche Tätigkeit von Personen, die an der Sammlung, Prüfung, Auswahl, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Kommentaren sowie Unterhaltungsstoffen durch Massenmedien beteiligt sind.“ (Koszyk/ Pruys 1981, 96)
Journalistische Textformen
Eine grobe Unterscheidung verschiedener Darstellungsformen erfolgt anhand der Kriterien Information und Kommentierung.
Informierende Darstellungsformen
- Die Nachricht: Kurze Darstellung des Sachverhaltes zur schnellen Information und Orientierung. Es werden nur die wichtigsten Fragen anhand der W-Fragen beantwortet. Gliederungsprinzip: das Wichtigste nach vorne. Zum Ende hin nimmt die Wichtigkeit ab. Die Nachricht: kurz, sachlich, ohne Wertungen, Sachverhalte sollen in ihrem harten Sachgehalt dargestellt werden. Der Nachrichtenaufbau folgt analog zum Bericht gemäß der Nachrichtenpyramide nach der Wichtigkeit der Einzelinformationen (sieben W's). Die wichtigsten Informationen (Wer, Was) müssen im Einstiegssatz attraktiv und bündig dargestellt werden (Lead-Stil). Der Lead ist dabei nicht nur ein Qualitätsnachweis, sondern auch der Passierschein für die ganz Botschaft. Zeitungen mach die Entscheidung für oder gegen den Abdruck einer Agenturmeldung hauptsächlich von einem attraktiven Lead abhängig und Zeitungsleser wiederum entscheiden zum Teil aufgrund des ersten Satzes, ob sie den kompletten Text lesen.
- Die Meldung ist die Kurzvariante einer Nachricht (Kurznachricht), die kurz und knapp über die wichtigsten Wer, Was und Wo berichten. So ist die Meldung eine Sonderform der Nachricht in ein, zwei oder drei Sätzen. Wirklich nur das Allerwichtigste.
- Der Bericht hat die Form einer ausführlicheren Nachricht und beschreibt Tatsachen, Handlungen und Vorgänge. Bericht: Informierende Darstellungsform mit der Möglichkeit zur ausführlichen Darstellung auch komplexer Inhalte und Abläufe.
- Das Gespräch/Interview: Frage-und-Antwort-Schema mit einem oder mehreren Gesprächspartnerinnen. In der Kürze und der Klarheit der Fragestellung liegt die Würze.
- Lange Interviews und Interviews mit mehreren Partnern sind mühsam zu lesen. Vielfach müssen Satzbau und Sprache noch angepasst werden, damit sie lesbar sind. Zeitaufwand der Bearbeitung sind nicht zu unterschätzen.
- Dokument: Abdruck von Originalmaterialien und Beschlüssen als Ergänzung zum Bericht.
Kommentierende Darstellungsformen
- Der Kommentar kommentiert einen Sachverhalt, indem er subjektive Meinungen/Wertungen des Kommentators enthält, wobei Meinungen nicht an Wahrheit oder Angemessenheit, wohl aber an Plausibilität oder - wie im Bereich des Hörfunks und Fernsehen möglichst an Ausgewogenheit gebunden sind. Im Gegensatz zu rein informationsorientierten Darstellungsformen (Bericht, Nachricht), ist der Kommentar durch artikulierte Meinungen und Wertungen definiert („facts are sacred but com-ment is free“). Von den sieben nachrichtlichen W's ist für den Kommentar das Warum besonders wichtig. Hinzu kommt als achtes W: Welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen? Der Kommentar ist also die Darstellung der eigenen Position und Einschätzung zu einem Sachverhalt. Dabei muss zumeist auf wichtige Inhalte des Sachverhaltes kurz eingegangen werden. Vorsicht: Meinung als Meinung und nicht als Tatsache darstellen, keine persönlichen Verletzungen oder Kränkungen, verständlich bleiben.
- Die Kolumne ist in Meinungsartikel eines einzelnen, oft sehr bekannten Journalisten. Die Zeitung stellt dem Publizisten nur den Raum für den Inhalt zur Verfügung, ohne sich nun unbedingt mit dem Inhalt die identifizieren. D.h. der Inhalt des Publizisten wird in der Regel nicht redigiert d.h. unverändert abgedruckt.
- Der Leitartikel, das Flaggschiff eines publizistischen Mediums, ist ebenfalls eine meinungsbetonte Darstellungsform und soll die Mehrheit der Meinung einer Redaktion widergeben. Wie die FAZ ganz gut zeigt, demonstriert die besonders exponierte Darstellung innerhalb des Mediums (1.Seite) seine herausragende Bedeutung für die Redaktion und das Medium insgesamt. Leitartikel formulieren damit die Linie einer Zeitung.
- Die Glosse: ein Kurzkommentar, der einen Sachverhalt ironisch kommentiert. Er ist damit der bunte Farbtupfer unter den journalistischen Darstellungsformen. Die Glosse ist gekennzeichnet durch eine zugespitzte Form der Argumentation, die in eine Pointe mündet und die Konzentration auf einen bestimmten thematischen Aspekt (siehe dazu das ‚Streiflicht' der Süddeutschen Zeitung). Die Glosse ist also die satirische Überspitzung eines Sachverhaltes, sehr schwierig zu schreiben..
- Die Rezension/Besprechung: Sachdarstellung und eigene Einschätzung. Neben der Information wird auch eine persönliche Einschätzung erwartet. Die Rezension dient dem Leser als Entscheidungshilfe (Buch/CD und auch Theaterkritik, Filmbesprechung, )
Mischformen
- Die Reportage berichtet über einen Sachverhalt/einen Vorgang in Form eines persönlich eingefärbten Erlebnisberichts. Der Autor einer Reportage ist am Geschehen vor Ort und berichtet über Handlungsabläufe, Vorkommnisse, subjektive Äußerungen der Beteiligten, die oft auch in Form von O-Ton-Material bzw. O-Ton-Zitaten Verwendung finden. Der Reporter kann als Beteiligter selbst in der Reportage vorkommen, oder die Reportage kann ganz in der Ich-Form geschrieben werden. Die Reportage ist also eine Erlebnis- und Erfahrungsdarstellung. Die Leser sollen in das Geschehen hineingezogen werden. Wichtige Elemente der Reportage sind persönliche, auch emotionale Darstellungen von Abläufen und Erfahrungen. Häufig werden Reportagen aus der Sicht eines Betroffenen oder Beteiligten geschrieben.
- Das Feature ist eine offene journalistische Form, um komplexe Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. Im Unterschied zur Reportage ist das Feature nicht an einen Handlungsablauf vor Ort gebunden, sondern kann sich innerhalb eines selbst geschaffenen Bezugs- und Assoziationsfeldes bewegen und verschiedene thematische oder historische Schichten miteinander verknüpfen. Wichtig ist: Das Feature darf fast alles; nur langweilen soll es nicht. Ähnlich wie die Reportage arbeitet aber auch das Feature mit O-Ton-Materialien und mit Zitaten, die im Hörfunk oft von verschiedenen Sprechern gesprochen werden. Von den literarischen Formen ist der Essay dem Feature am ähnlichsten. Das Feature mischt also verschiedene Darstellungsformen aus Reportage, Bericht, Interview und Kommentar. Es kommt vorrangig im Hörfunk und Fernsehen vor, wird zunehmend aber auch im Zeitungsjournalismus eingesetzt.
- Das Interview bezeichnet die wörtliche bzw. die schriftsprachlich überarbeitete Wiedergabe eines Gesprächs mit einer Person oder mehreren Gesprächspartnern. Das Interview ist damit nicht nur eine Form der Darstellung, sondern des Recherchierens. Dabei gehört es zu den guten journalistischen Gepflogenheiten, dass der Interviewte vor Erscheinen die Gelegenheit hat, seine Äußerungen zu korrigieren. Manchmal wird dies als Bedingung für das Interview vereinbart.
- Das Rundgespräch (oder Talk-Show) -meist von Sachverständigen, Experten und Politikern unterschiedlicher Provenienz geführt - will dem Zuschauer/Zuschauer einen breiten Fächer an Argumenten und Meinungen anbieten. Spannung und Farbigkeit. Es ist eine Mischform aus Information und Entertainment (Infotainment), dass seine Spannung und Lebendigkeit zumeist aus den Konflikten und unterschiedliche Standpunkten zwischen den Protagonisten zieht.
- Das Essay ist eine journalistische Darstellung, die vor allem im deutschsprachigen Raum etabliert ist. Sie ist literarisch geprägt, in der sich besonders Schriftsteller und Intellektuelle am liebsten assoziativ, kombinatorisch, phantasiebetont, anschauungsbildend einem Thema so widmen als wäre es die Welt.
Spezielle Texte als Agenturauftrag
Als PR Agentur kann es durchaus vorkommen, dass auf Kundenwunsch bestimmte Texte angefertigt werden sollen: Anwenderbericht (auch Referenzreport), Case Study und Success Story.
Anwenderbericht von Iris Vollert
Ein Anwenderbericht ist keine technische Dokumentation, sondern er muss wichtige Fragen beantworten, die für den Leser von Interesse sind, z. B. warum benötigt ein Anwender ein bestimmtes Produkt oder zu welchen Ergebnissen ist es in der Pilotphase gekommen. Ein Anwenderbericht informiert über aufgetretene Schwierigkeiten, d. h., nicht nur positive Ergebnisse, sondern auch negative Aspekte werden dargestellt. Ein Anwenderbericht muss erklären, was sich durch den Einsatz einer bestimmten Technik verändert und welche Vor- und Nachteile sich daraus ergeben, auch im Zusammenhang mit der Nennung von Zahlen und Zitaten. Behauptungen der Anwender müssen belegt sein, nicht nur von der projektverantwortlichen Person, sondern auch von einer Person, die mit diesem Produkt arbeitet. Der Text sollte verständlich sein, möglichst ohne Fachjargon; prägnante Sätze, damit diese auch in andere Sprachen zu übertragen sind. Eine perfekte Illustration kann die Lust am Lesen steigern, z. B. durch Fotos von Personen und technischen Details.
Checkliste
Genaue
Vereinbarung mit dem Auftraggeber über Umfang der Arbeiten und Honorar
Produktinformation
des Autors
Interviews
mit den Anwendern (Projektverantwortliche, Anwender selbst)
Fotos/
Bildmaterial: Aufnahmen des Produktes und von Personen
Produktrecherchen:
Internet oder aus anderen Quellen
Verfassen
des Artikels
Leichte,
verständliche Sprache
Fachjargon
vermeiden
Vor- und
Nachteile aufzeigen
Anwender
erhält Text und Bilder mit der Bitte um Rückmeldung
Layout für
Publikationen; Kombination von Text und Bild
Definitionen von Success Story im Web in Englisch
An example of a successful practice -- the company has achieved documented successful results. (Stage: This term is used to distinguish those companies that have succeeded with a practice from those that are experimenting (cf. „Experiment“) with one or a documented failure (cf. „Failed Experiment“))
Die „Success Story“ von Dr. phil. Ralf Grünke
Definition: Die „Success Story” (zu Deutsch: “Erfolgsgeschichte”) beschreibt positive Veränderungen, die durch Anwendung eines Produkts, einer Dienstleistung oder einer Lebensphilosophie zustande kommen. Fallspezifische Auswertungen lassen den kausalen Zusammenhang zwischen Anwendung und Veränderungen problemlos erkennen. Die Leser einer gelungenen „Success Story“ beziehen die genannten Verbesserungen auf ihre eigene Lebens- bzw. Arbeitssituation und deuten diese als persönlich erstrebenswert sowie vorteilhaft. Grundsätzlich muss für die Leser nachvollziehbar sein, warum es zur Anwendung des Erfolg auslösenden Faktors kam, wie dieser wirkte, worin genau die positiven Veränderungen bestanden und wie diese glaubhaft zu belegen sind. Die „Success Story“ kann sowohl als abschließende Dokumentation als auch als Zwischenbericht formuliert werden.
Checkliste:
Schilderung
der Ausgangssituation samt Problemstellung
Betonung
der Relevanz des Problems bzw. der Herausforderung
Begründung
für die Wahl des jeweiligen Produkts (bzw. der Dienstleistung oder
Lebensphilosophie)
Genaue
Beschreibung der Anwendung
Nennung der
beteiligten Personen, Abteilungen und Unternehmen
Soweit
zutreffend, Nennung der Kosten und Finanzierungswege
Detailfreudige
Beschreibung der positiven Veränderungen
Persönlicher
Bezug der Veränderungen auf den Leser (Nutzenargumentation)
Bezug auf
fallspezifische Forschungsergebnisse, falls vorhanden
Erwähnung
von Vorhaben zukünftiger Anwendung, soweit zutreffend
Erklärung
der Evaluationsmethoden
Darstellung
der Evaluation (Auswertungen, glaubhafte Belege)
Verwendung
einer aktiven Sprache, leicht lesbar
Vermeidung
von Fachterminologie und Abkürzungen
Die „Case Study von Alfred Roth
Mit der „Case Study“ (Fall-Studie) sollen Aussagen über einen konkreten Einzelfall / Untersuchungsgegenstand und keine generalisierenden Aussagen erlangt werden. Durch eine möglichst alle feststehenden und variablen Einflussfaktoren einbeziehende Betrachtungsweise des Untersuchungsgegenstandes soll ein umfassendes Verständnis erreicht und handlungsorientiert eine Lösung bzw. mehrere Lösungsalternativen aufgezeigt werden.
Checkliste:
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
In Harvard nachgefragt: Was ist eine Case Study?
HANDELSBLATT, 21.9.2005
Fast alle MBA-Programme weltweit verwenden Fallstudien, eine für Deutsche ziemlich unbekannte Methode. Was aber genau ist eine Case Study? Und was soll die Arbeit an einem Case bewirken?
Das Handelsblatt ging an die Quelle und fragte an der Harvard Business School (HBS) nach. Hier wurde die Case Study-Methode erfunden, und nach wie vor prägen Cases fast das gesamte HBS-MBA-Programm. Darüber hinaus ist die Schule der weltgrößte Produzent von Case Studies, die sie auch weltweit verkauft. Wie erklären Sie jemandem, der noch nie etwas davon gehört hat, in drei Sätzen, was eine Case Study ist?
Ein Case ist ein Dokument, das in detaillierter, erzählerischer Form ein Problem darstellt, dem sich Manager oder ein Chef eines realen Unternehmens gegenüber gesehen haben. Die Studenten denken sich damit in die Situation des Protagonisten hinein, stehen sozusagen in seinen Schuhen. Und immer muss die Frage beantwortet werden: Was würden Sie tun?
Mit den Augen des Protagonisten
Werden wir einmal konkret! Wie genau sieht eine Fallstudie aus?
Eine HBS case study kann zwei bis 20 oder mehr Seiten umfassen, und beinhaltet einen Datenanhang, die „exhibits“.
Der Case präsentiert die Situation zusammen mit etwas Hintergrundinformation über das Unternehmen, was es erlaubt, die Situation, um die es geht, in ihren Kontext einzuordnen. Oder anders gesagt: Der Case präsentiert die Story genau so, wie der Protagonist sie gesehen hat, also auch mit einer ambivalenten Datenlage, unzureichenden Informationen, ohne offenkundig richtigen Antworten und einer tickenden Uhr, die schnelle Aktionen verlangt. Und das Leitmotiv ist, wenn Sie so wollen, immer Leadership.
Wie arbeitet man mit einem case?
Das geschieht in mehreren Schritten. Zuerst arbeiten die Studenten den case alleine durch.
Dann, am gleichen Abend oder am nächsten Morgen, treffen sie sich mit drei bis sieben anderen Studenten in ihrer „study group“ und diskutieren den Case, vergleichen ihre Analysen und Lösungsvorschläge. Dies gibt den Studenten die Gelegenheit, in einem Team zu arbeiten, gemeinsam Ideen auszutauschen und zu entwickeln Dann gehen Sie in die Klasse, wo Sie den Case etwa 80 Minuten lang unter der Anleitung eines Professors diskutieren.
Könnte man mit einem Case auch allein arbeiten oder braucht es immer die Diskussion mit Anderen?
Nein, die Gruppenarbeit und -diskussion ist schon ein wesentlicher Teil des Lernmodells. Unsere Studenten machen die Erfahrung, dass egal wie hart sie an einem Case gearbeitet und wie sehr sie allein über Lösungen nachgedacht haben, am Ende ist das doch nur 20 Prozent von dem, was sie über die Diskussion mit den Anderen herausbekommen.
Wieviel Zeit hat ein HBS-Student zur Vorbereitung?
Der Case ist die Grundlage für die Diskussion im Klassenraum. Typischerweise wird ein MBA-Student zwischen zwei bis drei Stunden an Vorbereitungszeit für jeden Case aufwenden, was natürlich von Student zu Student und von Case zu Case variiert.
Wieviele Case Studies muss ein Student an der Harvard Business School während seines MBA-Studiums durchackern?
Die MBA-Studenten müssen im ersten Studienjahr 13 Pflichtveranstaltungen („classes“) pro Woche absolvieren, was auch 13 Fallstudien pro Woche bedeutet. Insgesamt kommt man dann in den zwei Jahren des MBA-Studiums auf etwa 500 bearbeitete Cases!
Berüchtigt sind die „cold calls“. Was ist das?
Am Anfang einer Veranstaltung bittet der Professor immer einen der MBA-Studenten, seine „Lösung“ des Cases zu präsentieren oder auf Fragen zu antworten. Wenn das ohne Vorwarnung passiert, nennen wir das einen „cold call“.
Gibt es so etwas wie die Lösung für einen Case?
Wie im wirklichen Geschäftsleben auch und anders als in einem Lehrbuch gibt es nie eine einzige richtige Antwort. Es gibt eine Reihe verschiedener Wege, ein Problem zu lösen. Worauf es ankommt, ist die Qualität der Analyse eines Problems und die daraus gefolgerten Vorschläge zu seiner Lösung.
Wenn es keine Lösung gibt, wonach werden die MBA-Studenten beurteilt?
Wie gesagt, worauf es ankommt, ist die Qualität der Analyse und des Lösungsvorschlags. Die Hälfte der Noten der MBA-Studenten an der Harvard Business School beruht auf dem, was er im Klassenraum sagt und zur Diskussion beiträgt, die andere Hälfte auf Arbeitspapieren, Projekten und natürlich den Prüfungen.
Noch etwas anderes ist besonders an der Arbeit mit Fallstudien an der Harvard Business School. Sie laden häufig auch Manager in den Kurs ein.
Ja, das stimmt. Oft kommen die Protagonisten eines Cases - der CEO oder andere Top-Manager - persönlich an die Harvard Business School und hören sich an, wie die MBA-Studenten den Fall „gelöst“ haben. Daraus entstehen dann sehr interessante Diskussionen. Natürlich gibt das unseren Studenten eine einzigartige Gelegenheit wirklich mit den Leuten in Kontakt zu sein, die den Case gelebt haben.
Kritiker sagen, dass das Arbeiten mit Cases nicht mehr als eine Spielwiese für junge Leute ist, die nicht viel vom Leben gesehen haben und nun Unternehmensboss spielen.
Wir glauben, dass Cases der beste Weg sind, um junge Leute auf Situationen vorzubereiten, denen sie einmal als Führungspersonen auf allen Ebenen begegnen werden. Es ist eine praktische Lernerfahrung, anders als etwa das passive Zuhören bei einem Vortrag. Sie erfordert aktive Beteiligung. Wir bringen unsere MBA-Studenten ganz nah an die Praxis heran.
Die Regeln für Zeitungsüberschriften
1. Meldungen genau lesen. Die Überschrift darf nichts aussagen, was nicht im Text steht.
2. „Signalwörter“ benutzen, die dem Leser die Orientierung leichter machen, vor allem bei Nachrichten, über die vorher berichtet wurde.
3. Auch wenn der Inhalt komisch ist: keine Witze, kein Jargon, keine Flapsigkeiten in der Überschrift.
4. Konkrete Aussagen, keine vagen Formulierungen!
5. Überschrift und Unterzeile müssen korrespondieren und jede für sich verständlich sein.
6. Die Unterzeile ergänzt und klärt die Hauptzeile, so dass der Leser genau weiß, welcher Inhalt ihn erwartet.
7. In der Überschrift nicht kommentieren, nicht werten und schon gar nicht moralisieren!
8. Zu spektakulären Ereignissen – Morden, Katastrophen – den Ort nennen, vor allem, wenn der Schauplatz im Ausland liegt.
9. Zwischen Überschrift und Lauftext dürfen keine Widersprüche auftauchen.
Selbstkritik! Jede Überschrift noch einmal überprüfen: Was sagt sie aus? Führt sie zum Inhalt des Textes?
Beim Vorspann sind verboten:
- Rätsel im Sinne von Denksportaufgaben.
- Binsenweisheiten (wenn zum Beispiel Krebs, Aids oder Herzinfarkt als „Geißel der Menschheit“ präsentiert werden).
- Zu lange Wörter, sperrige Wörter, Fremdwörter, Fachsprache.
- Überfrachtung mit Zahlen, Daten, Angaben in Prozent mit zwei Stellen hinter dem Komma.
- Leitartikel-Sprache(Verallgemeinerungen, Abstraktionen, Behördendeutsch).
- Schwammigkeit.
- Versprechungen, die der Text nicht einlöst.
- Irreführung des Lesers durch zu starke Verkürzung oder missverständliche Formulierungen.
- Pures Wortgeklingel, das einer Überprüfung auf Sinn und Logik nicht standhält.
Die Regeln für Bildunterschriften
1. In Tageszeitungen braucht nicht jede Geschichte ein Bild, aber jedes Bild braucht eine Unterschrift – auch das Porträtfoto von Angela Merkel.
2. Die Unterschrift sollte nicht zu kurz sein, denn sie ist das Scharnier zwischen visueller Information und Textinhalt. Um Appetit auf mehr
3. zu machen, bedarf es eines reizvollen Gedankens oder einer anderen Verlockung, die zum Artikel führt.
4. Bei Personen müssen in der Regel genannt werden: Name und Vorname, Funktion, Anlass, Zeitpunkt, Ort.
5. Personen, die auf dem Foto deutlich sichtbar sind, dürfen in der Bildunterschrift nicht einfach weggelassen werden.
6. Schockierende Bilder sollten sachlich und präzise betextet werden. Innere Anteilnahme zeigt sich in der optimalen Aufklärung der Umstände, nicht in Larmoyanz oder häufiger Verwendung des Wortes „schrecklich“.
7. Zitate in der Bildunterschrift werden vom Leser der Person zugeordnet, die er sieht. Er will nicht im Lauftext erfahren, dass eine andere Person zitiert wurde.
8. Wenn in der Bildunterschrift eine Person mit Namen genannt wird und der Text zudem damit beginnt, identifiziert der Leser automatisch die abgebildete Person mit der genannten.
9. Wie Titel und Vorspann darf auch die Bildunterschrift nichts hochjubeln oder versprechen, was dann der Artikel nicht hergibt.
10. Zuerst muss immer das Bild direkt angesprochen werden, erst dann können Hintergrundinformationen und zusätzliche Fakten den Text anreichern.
11. Mit hübschen Formulierungen, originellen Assoziationen, überraschenden Pointen lassen sich auch mäßige Bilder aufputzen und Leser erfreuen.
Checkliste Titel, Vorspann, Bildunterschriften
Alles fertig? Titel, Vorspann, Bildunterschriften und Kleintexte sind gemacht. Überprüfen Sie besser noch mal die wichtigsten Regeln:
1. Sind Kleintexte und Optik aufeinander abgestimmt, sodass die Anmutung des Fotos (oder der Fotos) zu den Aussagen der Textzeilen passt?
2. Macht der Titel/die Unterschrift neugierig?
3. Sind Titel und Vorspann beziehungsweise Hauptzeile und Unterzeile so formuliert, dass sie sich gegenseitig ergänzen und zusammen eindeutig klar machen, welches Thema die Leser erwartet?
4. Haben sich ermüdende Wiederholungen beim Formulieren der Kleintexte eingeschlichen?
5. Sind die wichtigsten Zitate aus dem Lauftext berücksichtigt?
6. Kann jeder Kleintext für sich verstanden werden?
7. Sind die Aussagen korrekt?
8. Hält der Lauftext, was Titel, Vorspann und Bildunterschriften versprechen?
9. Hat jedes Bild eine Bildunterschrift?
10. Wird in der Bildunterschrift das Bild angesprochen?
11. Sind Personen auf einem Bild im Vordergrund zu sehen, auf die der Bildtext nicht eingeht?
12. Werden Personen im Bildtext genannt, die auf dem Foto gar nicht zu sehen sind?
13. Sitzen die Seitenmottos an der richtigen Stelle, also jeweils auf der Seite, auf die sich der Inhalt bezieht?
14. Sind die Zwischentitel korrekt platziert? Sie dürfen nur Informationen enthalten, die im folgenden Text vor dem nächsten Zwischentitel (oder dem Ende des Textes) stehen.
15. Haben Fotos und Textzeilen eine emotionale Kraft? Sprechen sie das Gefühl an?
16. Wenn nicht, liegt es vielleicht an der Sprache, an zu langen, verschachtelten Sätzen, klischeehaften Formulierungen, blassen Wörtern?
17. Haben Sie sich alle Zeilen vorgelesen, um die Stolperstellen aufzuspüren und zu beseitigen?
18. Haben Sie so viele Informationen wie möglich untergebracht? In die Kleintexte gehört das Beste, was jeder Artikel zu bieten hat!